Design oben

Musikverein Graben - Ein halbes Jahrhundert




Seit 50 Jahren wird unter dem Dach des Musikvereins in Graben Musik gemacht. Er ist damit eine Institution, die aus dem dörflichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Die Kapelle spielt zu kirchlichen und gemeindlichen Anlässen und außerdem organisiert der Musikverein zahlreiche öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte, Serenaden, musikalischen Frühschoppen oder Kathreintanz. Der Musikverein bereichert das kulturelle Leben in Graben nicht nur in musikalischer Hinsicht. Unsere Theatergruppe sorgt jährlich für ein ausverkauftes Bürgerhaus und erfreut die Zuschauer durch stets heitere Auftritte. Außerdem sammeln seine Mitglieder seit mehr als 35 Jahren Altpapier und betreiben seit 1995 einen Altpapiercontainer.


1962 — Wie alles begann


Am Abend des 29.07.1962 fand die Gründungsversammlung des Musikvereins Graben mit 33 anwesenden Personen statt. Initiator war Erich Jakob aus Untermeitingen, damals Dirigent der Blaskapelle Bergheim. Ihm schlossen sich 22 musikbegeisterte Jugendliche aus unserem Dorf an und traten dem Verein bei.


Fürsprecher zur Vereinsgründung waren damals:

Bürgermeister Vinzenz Schnatterer
Hochwürden Herr Pfarrer Martin Rothauscher
sowie Herr Hauptlehrer Josef Koblischke.

Auszug aus dem Protokoll der Gründungsversammlung des Musikvereins Graben vom 29.07.1962:

Die erste Vorstandschaft bestand aus folgenden Personen:

1. Vorstand: Xaver Weirather
2. Vorstand: Eduard Bechler
Schriftführer: Richard Storhas
Kassierer: Rainer Pfaffendorf

Als Beisitzer wurden gewählt:
Vinzenz Schnatterer
Johann Zott
Georg Hartmann sen.


Noch im gleichen Jahr trat der Musikverein dem Allgäu- Schwäbischen Musikbund bei. Die damalige Vorstandschaft unter Xaver Weirather stand zum einen vor großen finanziellen Problemen, vor allem durch die Anschaffung der Musikinstrumente und Noten. Zum anderen galt es, die jungen Musiker zum dauerhaften Engagement zu motivieren. Mehrmals wurden in den ersten Jahren Mitgliederwerbungen im ganzen Dorf durchgeführt. Ebenso waren die Mitglieder der Vorstandschaft im Dorf unterwegs, um bei der Bevölkerung Spenden zur Schuldentilgung zu erbitten. Dadurch konnte sich der junge Verein besser entwickeln als von vielen geahnt. Sowohl die Gemeinde als auch viele Mitbürger unterstützten den Musikverein großzügig und freuten sich auf eine ortsansässige Kapelle.


Auch die aktiven Musiker waren mit großer Begeisterung dabei. Durch die intensive Probenarbeit konnte die junge Musikkapelle schon bald in der öffentlichkeit auftreten, in erster Linie bei kirchlichen Anlässen und Ständchen. Die ersten Stücke, die zur Aufführung kamen, waren Teile aus der Deutschen Messe von Franz Schubert, die von der Kapelle auch heute noch bei vielen kirchlichen Veranstaltungen gespielt werden.


Schon im Jahr 1963 wurden unter Dirigent Erich Jakob zwei Bezirksmusikfeste in Denklingen und Bobingen besucht. Auszug aus dem Veranstaltungsverzeichnis der Musikkapelle, aufgezeichnet von Xaver Weirather:


„ ... Beide Male kam das Pflichtstück Geistliches Lied von Beethoven und als Selbstwahlstück die Overtüre Serenata Seriosa von Gustav Lotterer zum Vortrag. Im Vergleich mit anderen Musikkapellen war unser Dargebotenes ein kleiner Erfolg....Die Anschaffung einer schwarzen Hose war notwendig, um im Konkurrenzkampf des Ansehens der Kapelle bestehen zu können.”



Im Mai 1964 übernahm der junge Musiker Josef Echter aus Großaitingen für vier Monate das Dirigentenamt von Erich Jakob. Als im August 1964 der damalige Bezirksleiter Helmut Maul ans Dirigentenpult trat, war ein zielstrebiger Aufschwung sowohl in der internen Vereinsarbeit als auch nach außen hin zu verzeichnen. Innerhalb kurzer Zeit besuchte die Blaskapelle zwölf Musikfeste, zum Teil mit sehr großem Erfolg.


Im Jahr 1968 fand eine groß angelegte Jugendwerbung im Dorf statt, bei der 16 Kinder und Jugendliche für die Musikkapelle gewonnen werden konnten. In der aktiven Kapelle spielten damals 14 Männer.



Einen Höhepunkt erreichte der Musikverein Graben 1969 mit der Ausrichtung des VIII. Bezirksmusikfestes des Bezirks 13 vom 4. bis 7. Juli. Welch ein organisatorischer Kraftakt für den erst 7-jährigen Verein unter Vorstand Xaver Weirather und Dirigent Helmut Maul! Die hohe Teilnehmerzahl von 24 Kapellen an den Wertungsspielen und am Festumzug war ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass es der Musikverein Graben verstanden hat, in der kurzen Zeit seines Bestehens mit anderen Kapellen freundschaftlichen Kontakt aufzunehmen.


Und so wurde es ein gelungenes Fest, bei dem das ganze Dorf mitfeierte. Zum Anlass des VIII. Bezirksmusikfestes wurde auch die neue Uniform vorgestellt.



Bereits in den ersten 10 Jahren seines Bestehens trug der Musikverein mit etlichen eigenen Veranstaltungen zur Bereicherung des kulturellen Lebens in Graben bei. Der Musikerball im Fasching war Jahr für Jahr ein großer Erfolg. Ebenso veranstaltete der Verein im Sommer regelmäßig ein Gartenfest.

Eine große Weihnachtsfeier für die aktive Musikerfamilie wird bis heute als schöne und liebgewonnene Tradition durchgeführt. Nach 12 Jahren Vorstandstätigkeit übergab Xaver Weirather 1974 die Leitung des Musikvereins an Manfred Sirch. Der Musikverein zählte 118 passive Mitglieder und 32 aktive Musikerinnen und Musiker inklusive Jungmusiker. Im gleichen Jahr übergab Herr Helmut Maul nach 10-jähriger erfolgreicher und engagierter Tätigkeit als Dirigent und gleichzeitiger Bezirksleiter den Dirigentenstab an Gottfried Werl.

Gründungsvorstand Xaver Weirather wurde 1974 zum Ehrenmitglied ernannt. Im Jahr 1976 organisierten der Vorstand des Veteranenvereins, Helmut Gebel, und Gerhard Krüger anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Veteranenvereins zusammen mit dem Obmann des Musikvereins Kittsee im Burgenland, Josef Wolf, den ersten Besuch des Musikvereins Kittsee in Graben. 1980 fand der erste Gegenbesuch des Musikvereins und des Veteranenvereins in Kittsee statt, bei dem unsere Abordnung mit einer überwältigenden Gastfreundschaft aufgenommen wurde.


Im Jahr 1981 wurde Eduard Bechler, der von 1962 bis 1980 als stellvertretender Vorstand für den Verein tätig war, zum Ehrenmitglied ernannt. Vorstandschaftsmitglied Heinz Kröner führte eine Nachwuchswerbung durch, bei der er 26 Jungmusiker gewinnen konnte. In der Folgezeit organisierte er Instrumente, Ausbilder und die Einkleidung der Nachwuchsmusiker und betreute diese bis zur Eingliederung in die Stammkapelle.


Der nächste Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 20- jährige Jubiläum 1982 in der Festhalle von Hermann Hagg, bei dem auch wieder die Kittseer Musiker bei uns zu Gast waren.


Auf Vorschlag von Helmut Gebel wurde die offizielle Gründung einer Partnerschaft zwischen dem Musikverein Kittsee und dem Musikverein Graben beschlossen. Seitdem besteht reger Kontakt zu unseren österreichischen Freunden. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums bekam die Kapelle eine schwäbische Tracht.


Bereits 1974 absolvierte als erster aktiver Musiker des Musikvereins Graben Engelbert Haider die Dirigentenausbildung mit Erfolg. Liane Schäfer und Engelbert Haider waren etliche Jahre als stellvertretende Dirigenten tätig.

1985 kam dann zum ersten Mal ein Dirigent aus den eigenen Reihen. Hermann Klöck wurde beim Jahreskonzert 1985 offiziell als neuer Dirigent vorgestellt. Zusammen mit ihm schloss Liane Schäfer die Dirigentenprüfung mit Erfolg ab. Nach 12 Jahren erfolgreicher Vorstandstätigkeit übergab 1986 Manfred Sirch das Amt des 1. Vorsitzenden an Wilhelm Weirather, den Sohn des Gründungsvorsitzenden.









Seit 1987 — das zweite Vierteljahrhundert



Zum 25-jährigen Gründungsfest 1987 zählte der Musikverein vierzig aktive Musikerinnen und Musiker. Bei strahlendem Wetter fanden ein Sternmarsch und ein Massenchor statt. Ein besonderes Ereignis war es dann, als sich alle teilnehmenden Kapellen zu einem großen Klangkörper aufstellten, um gemeinsam zum Festzelt zu marschieren. Für alle beteiligten Musiker ein einmaliges Erlebnis. Bei diesem festlichen Anlass wurden erstmals offiziell die neuen schwäbischen Dirndl für die 13 Musikerinnen vorgestellt. Bis auf wenige änderungen wird diese Tracht bis heute getragen.


Im Jubiläumsjahr wurde der ehemalige Dirigent Gottfried Werl zum Ehrendirigenten ernannt.


Als nächstes stand die Renovierung unseres Probenraumes an, eine neue Verstärkeranlage war dringend notwendig und die Musiker sollten neue Hüte mit Federn bekommen. Durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde und viel Eigenleistung wurde dies bestens bewältigt.


Im Jahr 1991 startete die Musikkapelle vom 10. bis 25. Juli nach Amerika. Wir hatten die Ehre in Utica im Staate New York ein Bavarian-Festival zu umrahmen. Neben vielen Auftritten blieb dennoch Zeit, die Niagara-Fälle, Toronto und New York zu besichtigen. Als besonderer Höhepunkt stand in New York der Besuch des Musicals „Cats“ auf dem Programm. Für alle beteiligten Musiker war die Reise ein unvergessliches Erlebnis.


Im Oktober 1991 trennten sich dann — nach sechsjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit — die Wege des Musikvereins und des Dirigenten Hermann Klöck. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Kapelle aus 14 Musikerinnen, 18 Musikern und 4 Jungmusikern. Der junge, 22-jährige Dirigent Thomas Forster aus Bobingen übernahm den Dirigentenstab offiziell am 1. Dezember 1991 von Engelbert Haider, der die Kapelle übergangsweise zwei Monate geleitet hatte.


Zum 30-jährigen Gründungsjubiläum 1992 richtete der Musikverein Graben das 21. Bezirksmusikfest des Bezirkes 13 des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes aus. Dies stellte für den Verein einen finanziellen und organisatorischen Kraftakt dar, der aber dank der Unterstützung der Gemeinde und vieler helfender Hände bravourös gemeistert wurde. Den Auftakt zu den Festtagen bildete am 18. Juni ein Serenadenabend mit den Musikkapellen Graben und Untermeitingen. Am 27. und 28. Juni wurden Wertungsspiele mit 32 Kapellen in der Turnhalle Lagerlechfeld durchgeführt. An allen Festtagen spielten verschiedene Blaskapellen zur Unterhaltung im Zelt auf. Natürlich durfte auch das obligatorische Fußball- Länderspiel zwischen dem MV Graben und dem MV Kittsee nicht fehlen. Ein gemeinsamer Weckruf der Kapellen Graben und Kittsee läutete den Festsonntag ein.


Den Höhepunkt bildete schließlich am Sonntagnachmittag der Gemeinschaftschor mit ca. 1500 Musikern und der Festumzug mit insgesamt 50 beteiligten Gruppen, darunter 34 Musikkapellen.


Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich Tausende Schaulustige in Graben, die dank des Engagements aller Gräbinger Vereine einen farbenfrohen und abwechslungsreichen Umzug erleben durften.


Im Frühjahr 1993 verstarb plötzlich und unerwartet unser langjähriger und hochgeschätzter 1. Vorsitzender Willi Weirather. Er war seit über 20 Jahren in der Vorstandschaft und führte den Verein sieben Jahre lang mit immensem Einsatz und Engagement. Sein Amt übernahm sein Stellvertreter Paul Sitterer.


Dirigent Thomas Forster erwies sich als echter Glücksgriff für den Verein, sollte er letztendlich doch 20 Jahre als Dirigent erhalten bleiben.


Unter seiner Führung war eine deutliche Leistungssteigerung der Kapelle zu verzeichnen. Ebenso verbesserte sich das Auftreten der Kapelle in der öffentlichkeit - vor allem beim Marschieren - durch eine geänderte Marschordnung und die Einführung des Tambourstabes.



Regelmäßig nahm der Musikverein Graben — wie auch in der Vergangenheit — an Wertungsspielen und Bezirksmusikfesten teil. 1995, 1996 und 2005 gelang bei den Wertungsspielen in Kleinaitingen, Untermeitingen und Wehringen in der Mittelstufe ein hervorragender 1. Rang mit Auszeichnung. Auch die alljährlichen Frühjahrskonzerte fanden durch ihre Stückauswahl und Qualität Beachtung weit über die Grenzen Grabens hinaus.


Anlässlich des 35-jährigen Gründungsjubiläums wurde 1997 der ehemalige 1. Vorsitzende und langjährige Klarinettist Manfred Sirch von Paul Sitterer zum Ehrenvorstand des Musikvereins Graben ernannt.






Der fehlende Nachwuchs war etliche Jahre lang das Sorgenkind des Vereins. Durch die Gründung der „Jugendkapelle Lechfeld” 1998 hoffte man einen attraktiven Anreiz für die Jugendlichen durch das Musizieren mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Lechfeldgemeinden zu schaffen.
1998 trat beim Frühjahrskonzert erstmals eine eigene kleine Nachwuchsgruppe unter Leitung von Michaela Knie auf. Auf Initiative von Bettina Brugmoser und Christine Großhenning wurde die Jugendarbeit 1999 dann auf eine breitere Basis gestellt. Seitdem wird unter dem Dach des Musikvereins neben der Instrumentalausbildung Musikalische Früherziehung für Anfänger und Fortgeschrittene sowie Blockflötenunterricht angeboten. 2002 übernahm Birgit Forster die Leitung der Nachwuchsgruppe, die seitdem auch bei gemeindlichen Anlässen auftritt.


Im Jahr 2002 übernahm Meinrad Brugmoser das Amt des 1. Vorsitzenden. Sein Vorgänger Paul Sitterer wurde im gleichen Jahr für seine 37-jährige Arbeit in der Vorstandschaft des Musikvereins zum Ehrenmitglied ernannt.


Das 40-jährige Gründungsjubiläum beging der Musikverein mit einem Jubiläumskonzert im Frühjahr und einem Festsonntag der in das Dorffest im September integriert war. Ein Sternmarsch und ein Gemeinschaftschor mit den benachbarten Musikkapellen sowie eine Marschvorführung unserer befreundeten Partnerkapelle aus Kittsee bildeten den Höhepunkt des Jubiläums.




Sieben engagierte Musikerinnen und Musiker gründeten 2003 „D’Hennapicker”, eine kleine Gruppe, die altbayrische Blasmusik zur Aufführung bringt. Seit 2005 findet mit „D’Hennapicker” ein musikalischer Frühschoppen und seit 2009 ein Kathreintanz statt.


Im Jahr 2010 schloss sich der Musikverein Graben mit den Musikvereinen aus Gennach, Konradshofen, Langenneufnach, Langerringen und Walkertshofen zusammen, um alljährlich in einem musikalischen Wettstreit den sogenannten Blasmusik- Cup auszuspielen. Diese Veranstaltung stellt seitdem neben dem Frühjahrskonzert einen Höhepunkt im Vereinsjahr dar, gilt es doch, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch im Bereich „Show” gegen die Konkurrenz zu bestehen. Nach seinem 20-jährigen Dirigentenjubiläum trennten sich im Jahr 2011 die Wege von Thomas Forster und dem Musikverein. Dank dieser langen Tätigkeit und der hervorragenden Zusammenarbeit mit einer weitgehend konstant besetzten Vorstandschaft war es möglich, in einer immer schwieriger werdenden Zeit den Musikverein erfolgreich zu führen. Dadurch konnten wir musikalisch auf einem sehr hohen Niveau bleiben und uns einen guten Namen im Bezirk 13 erspielen.


Seit April 2011 leitet Ewald Brückner neben der Stammkapelle auch die Nachwuchsgruppe. Bereits bei den ersten Auftritten konnte man seine Handschrift und neue Impulse vor allem bei der Stückauswahl erkennen.


Der Musikverein zählt nach 50 Jahren 272 Mitglieder. In der Stammkapelle spielen 36 Musikerinnen und Musiker, unsere Nachwuchsgruppe besteht aktuell aus 24 musikbegeisterten Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren. In seinen 50 Jahren hat der Musikverein Graben manche Höhen und Tiefen durchlebt. Immer haben sich aber engagierte Mitglieder und Musiker gefunden, die den Verein voran brachten und ihm viele Jahre lang die Treue hielten. Allen aktiven und passiven Mitgliedern und weiteren Gönnern unseres Vereins gebührt deshalb unser herzlichster Dank.



„Wo Musik ist, ist Leben.”
Willi Weirather bei der 25. Generalversammlung 1987

Design unten
© Musikverein Graben 2012 | Diese Seite ist optimiert für Mozilla Firefox.